Über die Verzögerung – Wenn nicht alles nach Plan läuft - 8/55Thoughts
Diese Woche kommt mein Essay fünf Tage zu spät, obwohl ich mir vorgenommen hatte, in 2026 regelmäßig wöchentlich zu veröffentlichen.
Und heute beim „Nachschreiben“ stand nicht nur das Aufholen im Raum, sondern damit verbunden auch wieder einmal mein eigener Anspruch – hinsichtlich Zuverlässigkeit und Disziplin.
Dennoch – wie so viele andere Menschen derzeit – hatte mich eine Grippe lahmgelegt. Und als hätte ich mich nicht schon unzählige Male damit auseinandergesetzt, so war dennoch wieder ein Teil von mir damit beschäftigt, dass das nicht in den Plan passt, dass ich hier und mit anderen Dingen „in Verzug“ gerate.
Früher hätte ich vermutlich dennoch geschrieben. Auch krank. Nicht, weil ich etwas Dringliches zu sagen gehabt hätte – sondern weil ich mich unwohl damit gefühlt hätte, meine selbst gesetzten Regeln nicht einzuhalten – als hinge mein Wert daran.
Das ist heute meist nicht mehr der Fall. Stattdessen nutze ich die Zeit bewusst für etwas für mich Sinnvolles:
Für Ruhe. Fürs Beten. Für Schlaf. Um meine Gefühle zu sortieren – auch dafür, möglichst nicht zu denken.
Und doch kam mir diese Woche in der Stille öfter der Gedanke, wie oft wir Menschen uns doch selbst unter Druck setzen, um Regeln und Ziele mit Vehemenz durchzusetzen.
Vieles von dem, was wir tun, ist wahrscheinlich nicht so relevant für unser Glück, unsere Gesundheit oder unseren inneren Frieden, wie wir denken – vielmehr sind es selbst auferlegte Strukturen, die uns begrenzen.
Die Verzögerung durch die Grippe diese Woche empfinde ich rückblickend eher als Geschenk. Sie hat mich wieder mehr zu mir selbst geführt – zu mehr innerer Klarheit.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich oft krank werde, wenn ich Zeit brauche, um etwas zu verarbeiten, zu integrieren oder zu verstehen – und mir keine Pause gönne. Bestenfalls küsst mich dann die Muse, und ich erkenne, wo ich mein selbst auferlegtes Grenzengerüst etwas aufweichen darf.
Um mit weniger Stress durch den Tag zu fließen – und mit mehr Sinnhaftigkeit und Dankbarkeit das zu genießen, was das Leben mir an Schönheit und Freuden schenkt.
Dazu gehören sowohl herzöffnende Momente und Begegnungen mit Menschen, als auch andere, vielleicht unscheinbare Dinge, die mir dennoch Entspannung und Glück schenken, wie:
- Dem Vogelgezwitscher lauschen
- Dem Atmen meines Hundes folgen
- Ein leckeres Essen bewusst genießen
- Meine Kinder um mich haben
- Ideen für ein neues künstlerisches Projekt spinnen
- Meinen Pullover weiterstricken
- Kaffee im Bett trinken
- Den Nacken massiert bekommen
Und noch vieles Lebenswerte mehr....









