Zwischen Gipfel und Plateau - Meinen Rhythmus finden - 4/55Thoughts
Zwischen Gipfel und Plateau - Meinen Rhythmus finden
Gestern war einer dieser Tage, an denen ich mir Zeit nehmen musste, um meine Vorhaben zu ordnen. Keine Ahnung warum, aber ich gehöre nicht zu der Sorte Mensch, bei der ein Autopilot anspringt, sobald eine Entscheidung gefallen ist. Ich bin eher die Fraktion „jeden Tag neu entscheiden und neu eintunen“.
Insofern stand mal wieder die Frage im Raum, wie ich meinen eigenen Arbeitsrhythmus finden kann – ohne viel äußere Struktur und ohne ‚muss‘ ist das nicht immer leicht.
Mit Rhythmus meine ich nicht Ich hätte gern mehr Zeit oder Ich müsste disziplinierter sein, sondern: Wie viel schaffe ich eigentlich ganz ehrlich an einem Tag – real, nicht in meiner Vorstellung?
Und während ich dann so ganz im Stillen mit ehrlichem Blick meinen Kalender durchblättere, wurde mir klar, dass mein Vorhaben, mit dem ich beschäftigt bin, so nicht umsetzbar ist. Das, was ich mir innerlich vorgestellt hatte – diese Version von „In drei Wochen habe ich das locker erledigt“ – hatte mit der Realität meines Lebens wenig zu tun. Denn im Grunde sind zwei Wochen bereits voll – mit Terminen, Verpflichtungen und Dingen, für die ich – wenn ich ehrlich bin – anschliesend Erholung einplanen muss.
Mir fällt dazu das Bild eines Berges ein, den man besteigen will. In Gedanken geht man den Weg Schritt für Schritt: hier hoch, dort entlang, noch ein Stück – und dann ist man am Ziel und genießt den heroischen Ausblick.
Aber in der Realität sieht das oft ganz anders aus. Ein Berg hat Plateaus. Stellen, an denen man stehen bleiben muss, um zu atmen, zu trinken, die Aussicht zu genießen und den kommenden Weg einzuschätzen. Man kann keinen großen Berg ohne diese Pausen erklimmen.
Diese Plateaus sind keine Störung. Sie sind notwendig. Von dort aus sieht man, wo man herkommt, kann den Weg neu einschätzen und sich für die nächste Etappe sammeln. Selbst an steilen Wänden macht ein Bergsteiger Pausen, um durchzuatmen und den Weg zu prüfen.
Genauso brauchen auch wir diese Momente, um zu erkennen, dass Zweifel oft nicht bedeuten, dass wir etwas nicht können, sondern dass wir uns die Zeit geben müssen, die die Umsetzung wirklich braucht – besonders dann, wenn wir nicht oberflächlich arbeiten wollen, sondern mit Herzblut und echter Hingabe.
Ich kenne das gut von mir: Ich plane in meinem Kopf – und vergesse dabei oft genug mein echtes Leben. Ich vergesse, Müdigkeit einzuplanen, die Nachwirkungen von Terminen, die mich erschöpft haben, die Zeit, die für die alltäglichen Dinge draufgeht. Und dennoch plane ich immer wieder mit einer Version von mir, die immer verfügbar ist – und wundere mich dann, wenn ich mich selbst nicht einholen kann.
Ich merke immer wieder, wie viel entspannter ich werde, wenn ich mir erlaube, weniger in einen Tag zu packen – und dafür das, was ich mir vornehme, wirklich zu schaffen. Das fühlt sich nicht nach Stillstand an, sondern nach Stimmigkeit.
Ein entspannterer Rhythmus bedeutet nicht, dass weniger entsteht. Im Gegenteil: Meist entstehen, wenn wir realistischer planen, mehr abgeschlossene Dinge. Das bringt Ruhe ins Nervensystem, ein offener Loop schließt sich. Kein inneres Getriebensein mehr, sondern das stille Gefühl: Das ist erledigt. Das ist rund. Das ist abgeschlossen.
Es geht nicht darum, immer noch mehr zu leisten. Vielmehr geht es darum, Wege zu finden, die unserem Wesen entsprechen, unseren Rhythmus achten und in denen wir unserer individuellen Kraft auf dem Weg zu den Gipfeln Tribut zollen.
In diesem Sinne, alles Liebe
Sabine
P.S.: Wenn du Fragen hast oder Interesse an diesem Bild, melde dich gerne bei
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