Schuhwechsel: Wenn der Blick sich verändert

Sabine Kraus • 5. Juni 2025

Zurück zu mir – Neue Schuhe für einen neuen Weg


Wenn ich mich umschaue, sehe ich viele Menschen, die einfach weiter funktionieren – obwohl sie längst spüren, dass ihr Leben nicht mehr passt. Sie stehen im Konflikt mit der Welt, mit der Politik, in Beziehungen – und ganz tief drin: mit sich selbst. Mit ihren Werten, ihren Zielen, dem, was sie wirklich sind.


Auch ich stecke in so einem Prozess. Ein Zurückkommen zu mir, in dem ich übe, im Hier und Jetzt zu sein.
Mein Leben bewusst wahrzunehmen und aus dem Moment heraus stimmig zu gestalten.
Für manche Menschen wirke ich derzeit vielleicht langsam, wenig aktiv.
Für mich fühlt es sich gerade genau richtig an.

Leben und handeln im Moment


An manchen Tagen ist das nicht leicht. Nicht, weil ich mich selbst nicht aushalte oder meine Ängste zu laut sind – sondern weil das Handeln aus dem Moment heraus eine neue Gewohnheit ist, die sich erst noch etablieren will.


Wir alle neigen eher dazu, die Vergangenheit zu hinterfragen oder sind darauf aus, unsere Zukunft erfolgreich, schön und sicher zu manifestieren. Im Jetzt zu sein – und gleichzeitig eine Zukunft einzuladen, die wirklich zu uns passt – ist manchmal wie ein Schritt in den Nebel.


Aber Fakt ist: Eine stimmige Entscheidung im Hier und Jetzt kreiert unweigerlich eine stimmige Zukunft.


Alte Muster, alte Schuhe


Ich kenne viele Menschen, die sagen: Ich habe – emotional wie energetisch – mehr getragen, als vielleicht nötig gewesen wäre. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Es ist einfach der Weg gewesen, und ich schließe mich da ein.

Doch wesentlich ist: Das, was ich rückblickend erkenne, verändert – wenn ich es zu mir nehme – mein Handeln im Jetzt und damit die Zukunft.


Barfuß, Flipflops, Boots – zwischen Freiheit und Halt


Fest steht: Ich bin aus den alten Schuhen herausgewachsen.
Sie sind ausgelatscht, kaputt, unansehnlich. Und sie geben mir keinen stabilen Stand mehr.
Früher haben sie mir Schutz geboten. Sicherheit? Vielleicht.


Im Moment laufe ich symbolisch barfuß. Ich spüre den Untergrund, wie er ist, und an manchen Tagen tun mir die Füße weh. Und ich glaube: So geht es vielen.


Ich laufe schon immer gern barfuß.

Bisher liebte ich auch Flipflops – aber in Wahrheit läuft man nie entspannt, weil man ständig aufpassen muss, dass sie nicht verloren gehen.
Dann gibt es meine Boots. Mein Gang verändert sich mit ihnen – ich werde aufrechter. Aber bequem sind auch die nicht immer.

Und Turnschuhe? Ich glaube ja, wir alle tragen Turnschuhe manchmal gern. Schuhe, in denen man einfach losrennen kann, wenn man will – auch wenn man es nicht tut.


Schuhe als Rollen, Masken und Verbindung zur Erde


Schuhe sind mehr als nur Schuhe. Sie sind Rollen. Masken. Schutzschichten. Sie offenbaren ein Haltung.
Und sie verbinden uns mit der Erde – mit Mutter Natur.

Manche Menschen haben unzählige Paare. Vielleicht steht jedes Paar für eine Identität, oder einfach eine Möglichkeit, die sie gerne ausprobieren würden. Ich kann es nicht sagen, da ich selbst kein Faible für Schuhe habe – selbst wenn ich Schuhe liebe.
Aber mir reichen die wenigen, die wirklich zu mir passen.


Aber welche Schuhe passen zu einem Leben im Jetzt?


Zu einem Leben, das sich aus dem Sein heraus entfaltet?
Vielleicht sind es Turnschuhe. Vielleicht sind es Barfußschuhe.
Vielleicht sind es blöcke Föös, wie der Kölner sagt.


Der Schuh als Symbol


Der Schuh ist ein Symbol. Für unsere Verbindung zur Erde. Zu uns selbst.

Aber welcher Schuh gibt uns Halt, Schutz und Freiheit zugleich?


Vielleicht ist genau das die Sehnsucht, die viele Menschen in dieser Zeit so stark spüren.


Wir alle  sind eingeladen, mehr im Moment zu leben – und aus dem Moment und dem Herzen heraus zu gestalten, zu entscheiden, zu handeln.


Und mal ehrlich: Der perfekte Schuh ist immer der, der für uns persönlich stimmt.

Und dann ist es sogar egal, wie er aussieht.
Denn es geht nicht um den Schuh,
es geht um inneres Vertrauen.
Eine Haltung.
Ein stimmiges Gehen.


Vielleicht tragen genau deshalb mittlerweile so viele Menschen Turnschuhe –
in allen Varianten. Casual, glitzernd, sportlich, leuchtend.

Weil sie ahnen: Stimmiges Gehen braucht Flexibilität. Gehen heißt fühlen.
Und Gehen heißt mit Sicherheit - immer wieder neu anfangen.


Und wie sieht es bei dir aus?


Trägst du noch deine alten Schuhe – obwohl sie längst nicht mehr passen?

Oder suchst du schon nach einem Paar, das dich stimmig durchs Leben trägt?


Vielleicht schaust du ja mal in deine Schuhsammlung  - ob groß oder überschaubar -und fragst dich, welche davon wirklich noch zu dir gehören.


Liebe Grüße, Sabine


Und wenn du Lust hast, deine eigene Geschichte - bzw. deine Schuhsammlung :)- mit kreativen Impulsen neu zu sortieren, findest du hier mehr zu meiner Kreativen Biografiearbeit.

von Sabine Kraus 17. Februar 2026
Mein heutiges Essay führt mich zurück in den Januar 2026 und zu dem Thema, mit dem ich gestartet bin: Zuhause ankommen. Das liegt vor allem daran, dass mir aufgefallen ist, wie sehr ich meine letzten Beiträge durch meine Linse als Therapeutin / Coachin geschrieben habe und nicht aus der Sicht der Kunstschaffenden. Womit ich zum Punkt komme, nämlich dem Grund, weshalb ich „Zuhause ankommen“ überhaupt als Jahresthema gewählt habe: Zuhause ankommen ist für mich 2026 gleichgesetzt mit in der Kunst ankommen . Das heißt, dass ich mich stärker mit meinem künstlerischen Ausdruck verbinden und diesen mehr genießen möchte. Ich möchte mich noch mehr in der Welt der Kunst zu Hause fühlen; denn es ist das Malen, das textile Arbeiten und das Schreiben, was mein Herz im Kern glücklich macht und nach mehr Ausdruck verlangt. Ich läute also hiermit den Perspektivwechsel ein und schreibe mit dem Blick der Kunstschaffenden darüber, womit ich mich aktuell künstlerisch auseinandersetze. Das ist derzeit ein größeres textiles Projekt. Für dieses suchte ich einen Untergrund und habe mich daher intensiv mit der Auswahl eines Filzes beschäftigt, da ich gerne auf Filz arbeiten möchte. Das klingt erst mal banal, doch kannst du dir vorstellen, dass man sich über mehrere Tage hinweg damit beschäftigen kann, einen Filz zu finden, der aus 100 % Schurwolle ist, kein Vermögen kostet, aber weich und rein ist und zudem farblich das vermittelt, was einem wichtig ist? Dann soll er gut bestickbar und benähbar sein, er darf nicht zu weich, aber auch nicht zu fest sein … und nicht zuletzt möchte ich, wenn ich den Stoff berühre, lächeln und mich freuen können.
von Sabine Kraus 13. Februar 2026
Diese Woche kommt mein Essay fünf Tage zu spät, obwohl ich mir vorgenommen hatte, in 2026 regelmäßig wöchentlich zu veröffentlichen. Und heute beim „Nachschreiben“ stand nicht nur das Aufholen im Raum, sondern damit verbunden auch wieder einmal mein eigener Anspruch – hinsichtlich Zuverlässigkeit und Disziplin. Dennoch – wie so viele andere Menschen derzeit – hatte mich eine Grippe lahmgelegt. Und als hätte ich mich nicht schon unzählige Male damit auseinandergesetzt, so war dennoch wieder ein Teil von mir damit beschäftigt, dass das nicht in den Plan passt, dass ich hier und mit anderen Dingen „in Verzug“ gerate. Früher hätte ich vermutlich dennoch geschrieben. Auch krank. Nicht, weil ich etwas Dringliches zu sagen gehabt hätte – sondern weil ich mich unwohl damit gefühlt hätte, meine selbst gesetzten Regeln nicht einzuhalten – als hinge mein Wert daran. Das ist heute meist nicht mehr der Fall. Stattdessen nutze ich die Zeit bewusst für etwas für mich Sinnvolles: Für Ruhe. Fürs Beten. Für Schlaf. Um meine Gefühle zu sortieren – auch dafür, möglichst nicht zu denken. Und doch kam mir diese Woche in der Stille öfter der Gedanke, wie oft wir Menschen uns doch selbst unter Druck setzen, um Regeln und Ziele mit Vehemenz durchzusetzen.
von Sabine Kraus 1. Februar 2026
Immer wieder nehme ich wahr, wie gerne wir Menschen über Probleme reden. Über die Sehnsucht nach einem leichteren Leben, nach mehr Verständnis, nach weniger Leistungsdruck und weniger Anspruchshaltung.  Und gleichzeitig erlebe ich immer wieder, wie schwer es doch oft ist, die Brücke zu schlagen, um das eigene Leben tatsächlich einfacher zu gestalten. Ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass es mit viel Aufwand verbunden sein muss, mehr Einfachheit in das eigene Leben zu bringen – sondern daran, dass wir verlernt haben, die Essenz einer Sache zu erkennen, um sie so bewusst in unser Leben integrieren zu können. Stattdessen bauen wir gedankliche Konstrukte um die Dinge herum. Wir erzählen uns Geschichten, erschaffen mit dem Verstand Bedeutungen und verstricken uns in Annahmen. Und plötzlich wird unser Leben immer komplexer, vielschichtiger und mitunter schwerer – obwohl es im Kern oft schlicht ist. Das zeigt sich besonders in unseren Beziehungen. Wir halten an Freundschaften oder Partnerschaften fest, die uns auf irgendeiner Ebene nicht guttun, und doch fragen wir uns zu selten ehrlich: Was ist der wahre Kern dieser Begegnung für mich? Geht es um Liebe? Um Sehnsucht? Um Gebrauchtwerden? Um Gewohnheit? Oder um Angst vor dem Alleinsein? Wenn wir diese Fragen nicht stellen, bleiben wir an der Oberfläche. Wir reagieren, verwickeln uns, funktionieren – aber wir spüren nicht wirklich, was uns verbindet oder trennt. Und genau hier würde Einfachheit beginnen: im ehrlichen Wahrnehmen dessen, was ist.
von Sabine Kraus 25. Januar 2026
Heute steht in meinem Kalender: Kolumne schreiben & posten. Da ich heute Morgen innerlich kein Thema greifen konnte, wurde der Termin in meinem Kalender selbst zum Thema. Damit verbunden die Frage: Wie gehe ich eigentlich mit gesetzten Terminen, mit Deadlines und dem Gefühl, funktionieren zu müssen, um? Wir alle kennen diese Situation. Wir haben Pläne, selbstgesetzte sowie von außen gesetzte Fristen. Und oft wissen wir: Diese Deadline jetzt gerade, die im Deutschen auch Galgenfrist oder Stichtag genannt wird, passt so gar nicht zu dem Rhythmus, den ich gerade brauche, damit es mir gut geht. Es ist interessant, dass wir im Deutschen das Wort Deadline so selbstverständlich benutzen, obwohl es im Grunde „Todeslinie“ heißt. Auch Galgenfrist oder Stichtag sind nicht weniger dramatisch, und implizieren sprachlich die Nähe zum Tod. Vielleicht unterschätzen wir manchmal, welche innere Wirkung solche Begriffe auf uns haben. Allein sprachlich ist ein solcher Termin eine kleine – wenn auch unbewusste – Konfrontation mit dem Gefühl, dass unser Leben in Gefahr ist, wenn wir ihn nicht einhalten. Und so beugen wir uns diesem Druck. Manchmal freiwillig, manchmal notgedrungen. Manchmal sinnvoll – an anderen Stellen eher ohne Sinn. Manchmal schieben wir Dinge dann so lange auf, bis sie unumgänglich werden. Das hat Vor- und Nachteile. Druck kann Kreativität erzeugen, doch vor allem führt er zu Stress. Stress ist ambivalent. Ein selbstgesetzter Zeitrahmen kann helfen, den eigenen Perfektionismus zu zähmen. Wenn wir wissen, dass wir nicht unendlich Zeit haben, erlauben wir uns vielleicht, 80 Prozent als ausreichend zu akzeptieren – das kann entlasten. Andererseits wirkt eine von außen gesetzte Frist mit einem Inhalt, der uns innerlich nicht anspricht, oft ganz anders. Dann wird Stress zur Belastung, erzeugt Unruhe im Körper, Widerstand, manchmal sogar inneren Rückzug. Wie also gehen wir persönlich mit Druck und diesen sogenannten Galgenfristen, Stichtagen und Deadlines um? Wie schaffen wir es, gesetzte Termine unserem eigenen Rhythmus anzupassen – unserer Energie, unserer Tagesform, unserem Nervensystem? Viele würden antworten: "Bei mir geht das nicht! Nicht in meinem Beruf, nicht in meiner privaten Situation!" oder "Als Freiberuflerin oder Künstlerin kannst du dir das vielleicht erlauben – ich aber nicht!" Und ja – diese Freiheit zu haben erlebe ich als Geschenk. Aber sie ist auch eine Aufgabe. Für mich bedeutet sie, viel innere Kraft aufzubringen, um mich immer wieder im eigenen Rhythmus auch zu strukturieren. Wir wachsen in einer Welt auf, die von sogenannten Deadlines durchzogen ist: vom Aufstehen mit dem Wecker bis zum Schlafengehen, um am nächsten Tag wieder „funktionieren und abliefern“ zu können. Von klein auf lernen wir: Zeit ist etwas, das uns antreibt und zu Ergebnissen führt. Die Freiheit, uns selbst entsprechend unseres eigenen oder einem der Natur entsprechenden Rhythmus zu gestalten, haben wir nie richtig gelernt. Sie wurde uns oft verwehrt – dementsprechend erfordert es Bewusstsein, Energie und Willenskraft, sich selbst zu organisieren – für jeden von uns.
von Sabine Kraus 18. Januar 2026
Entscheidungen, Geduld und der Mut, das eigene Leben bewusst zu gestalten Neuanfang und der erste Neumond 2026 Für mich hat das Jahr irgendwie nicht mit Silvester begonnen. Vielmehr trägt der heutige Neumond die Energie des Neustarts in sich. Vielleicht liegt es daran, dass er im Zeichen des Steinbocks steht – einem Zeichen, das Verantwortung, Geduld und langfristige Ziele in den Vordergrund rückt. All das, was die Neujahrsvorsätze vieler Menschen ausmacht – und sei es nur, um sie kurze Zeit später wieder zu relativieren oder sogar ganz zu verwerfen. Für mich geht es zu diesem Neumond jedoch nicht um gängige Vorsätze wie bessere Ernährung oder mehr Sport. Vielmehr möchte ich diesen Neumond als Erinnerungsanker setzen, um 2026 noch bewusster auf meine innere Stimme und meinen Körper zu hören und beruflich wie privat meinen eigenen Lebensrhythmus zu leben. Was mich in den letzten Tagen besonders beschäftigt hat, sind Alltagsstruktur und Entscheidungen: Entscheidungen treffen, bei ihnen bleiben, Prioritäten setzen. Nicht unbedingt, um produktiver zu sein, sondern um mehr Raum für das zu haben, was mich glücklich und zufrieden macht. In meiner Erinnerung war all das früher leichter. Ich habe Entscheidungen schneller getroffen und bin einfach losgezogen. Heute ist es anders. Vielleicht liegt es am Älterwerden, vielleicht daran, dass es mit Kindern lange Zeit nicht ganz so einfach war, einfach zu tun, was man will. Und ja, es hat sich ein leises Stimmchen dazugesellt, das sagt: Entscheidungen wollen sorgfältiger getroffen werden – auch mit dem Ziel, schmerzhafte Erfahrungen zu minimieren. Auch das frühere Gefühl von „Ich habe ewig Zeit“ hat sich in ein stilles Bewusstsein von Sterblichkeit verwandelt. Nicht als Gedanke an ein baldiges Sterben, sondern als ein zunehmend präsentes Gefühl: Mein Dasein hier auf der Erde ist endlich – und gerade deshalb kostbar.
von Sabine Kraus 10. Januar 2026
Zwischen Gipfel und Plateau - Meinen Rhythmus finden Gestern war einer dieser Tage, an denen ich mir Zeit nehmen musste, um meine Vorhaben zu ordnen. Keine Ahnung warum, aber ich gehöre nicht zu der Sorte Mensch, bei der ein Autopilot anspringt, sobald eine Entscheidung gefallen ist. Ich bin eher die Fraktion „jeden Tag neu entscheiden und neu eintunen“. Insofern stand mal wieder die Frage im Raum, wie ich meinen eigenen Arbeitsrhythmus finden kann – ohne viel äußere Struktur und ohne ‚muss‘ ist das nicht immer leicht. Mit Rhythmus meine ich nicht Ich hätte gern mehr Zeit oder Ich müsste disziplinierter sein , sondern: Wie viel schaffe ich eigentlich ganz ehrlich an einem Tag – real, nicht in meiner Vorstellung? Und während ich dann so ganz im Stillen mit ehrlichem Blick meinen Kalender durchblättere, wurde mir klar, dass mein Vorhaben, mit dem ich beschäftigt bin, so nicht umsetzbar ist. Das, was ich mir innerlich vorgestellt hatte – diese Version von „In drei Wochen habe ich das locker erledigt“ – hatte mit der Realität meines Lebens wenig zu tun. Denn im Grunde sind zwei Wochen bereits voll – mit Terminen, Verpflichtungen und Dingen, für die ich – wenn ich ehrlich bin – anschliesend Erholung einplanen muss. Mir fällt dazu das Bild eines Berges ein, den man besteigen will. In Gedanken geht man den Weg Schritt für Schritt: hier hoch, dort entlang, noch ein Stück – und dann ist man am Ziel und genießt den heroischen Ausblick.
3. Januar 2026
Innerer Kompass – fernab der Logik Heute Morgen war ich mit meinem Hund Coco im Wald unterwegs. Da seit gestern alles schneebedeckt ist, war es einer dieser herrlich stillen Spaziergänge. Einer von denen, bei denen man an jeder Stelle stehen bleiben könnte, weil die Natur, vom Schnee bedeckt, so wunderschöne Bilder zeichnet. Wir blieben tatsächlich überall stehen – aber nicht wegen der Bilder, sondern wegen der Gerüche. Denn Coco ist ein Weltmeister im Schnüffeln. Ob Baum, Weggabelung oder gelbe Pipispuren im Schnee – er taucht tief ein in seine Welt. Für ihn ist das kein Zeitvertreib. Es ist Orientierung. Das Lesen von Vergangenem, das Bewerten der Gegenwart und das Einschätzen der Zukunft. Wer war hier vor mir? Welche Spuren hat jemand hinterlassen? Gehe ich hier lang oder dort? Ist es dort gefährlich oder ist es hier sicher? Gleichzeitig wirkt – meinem Wissensstand nach – Schnüffeln auf Hunde beruhigend und stressreduzierend. Während Coco also immer und überall schnüffelt, nutze ich die Zeit meist, um die Umgebung zu beobachten – was für mich, genau wie für ihn, im Übrigen ebenfalls beruhigend und stressreduzierend ist. Im Winter jedoch finde ich eines besonders herrlich: diese Stille, die entsteht, wenn Schnee liegt. In solchen Momenten fühle ich mich eins mit Allem und ganz verbunden mit mir selbst – so, als wäre die Kompassnadel meines inneren Kompasses gerade ganz still: kein Zittern, kein Schwanken. Und dann geschah heute etwas sehr Berührendes. An einer Stelle, an der Coco besonders ins Schnüffeln vertieft war und ich selbst einfach nur versunken ins Dickicht schaute, schaute mich ein Fuchs an. Nur für eine winzige Sekunde. Dann düste er ins Dickicht und war schneller weg, als er da gewesen war.
von Sabine Kraus 28. Dezember 2025
Schönheit und Geborgenheit – kein Luxus, sondern Notwendigkeit Das Thema Zuhause ist über die Weihnachtstage für viele Menschen besonders präsent. Vielleicht, weil es zu Hause hektisch zugeht und kaum Raum für Besinnlichkeit bleibt. Vielleicht, weil Einsamkeit, Langeweile oder Sinnfragen in Bezug auf das eigene Leben berührt werden. Dieses Jahr war Weihnachten für mich sehr ruhig. Ich war so gar nicht in Weihnachtsstimmung, und daher gab es kaum Schmuck und Pomp – tatsächlich war der einzige Schmuck des Tannenbaums eine Lichterkette. Und doch – vielleicht gerade deswegen – finde ich ihn so schön, dass er mich in seinen Bann zieht. Ich mag Tannen und so habe ich die letzten Tage viele Stunden da gesessen, mich am Funkeln der Lichter erfreut, die Aststruktur angeschaut und die Würde – und auch Freude –, die der Baum für mich ausstrahlt, genossen – ebenso die Stille, die im Raum laut zu hören war. Und ich habe intensiv wahrnehmen können, wie stark ein einzelner Baum die Stimmung im Raum verändern kann. Unser Alltag ist oft so strukturiert, dass unser Nervensystem überfrachtet und überfordert wird. Viel zu selten halten wir uns in Räumen auf, in denen wir wirklich regenerieren können. Räume, in denen wir das Gefühl haben, nur sein ist bedingungslos erlaubt. Selbst wenn wir wissen, wo wir solche Räume für uns finden, nutzen wir sie oft zu wenig – vielleicht, weil Ruhe, Schönheit und Geborgenheit für viele von uns fast wie Luxusgüter erscheinen. Das ist nachvollziehbar. Wir sind gesellschaftlich weltweit übermäßig mit Konflikten, Kriegen, Schmerz und Trennung konfrontiert… …und manchmal reicht allein das Denken daran, um zu spüren, wie sehr unser Nervensystem davon berührt und gefordert wird. Doch gerade deshalb ist es so wichtig, Räume zu schaffen, die uns nähren. Orte, die wir schön finden und an denen wir bewusst Atem holen können. Dabei geht es nicht um Perfektion, teures Design oder den "Schöner Wohnen" Effekt. Es geht um Präsenz, Wohlgefühl und die kleinen Dinge: Licht, Farben, Musik, Bücher, Duft, Wärme. Zuhause ankommen heißt für mich, bei mir selbst und in meinem Umfeld ankommen - selbst wenn es nur ein einzelner Raum ist, in dem ich mich wohlfühle. Ein Raum, in dem ich mich ausdrücken kann, wie es für mich gerade stimmt.
von Sabine Kraus 23. Dezember 2025
Zwischen Wind und Wurzeln zu Hause ankommen In den letzten Tagen habe ich mich viel damit beschäftigt, wie ich mich beruflich für 2026 aufstellen möchte. Und damit verbunden, wie und ob ich meinen persönlichen Lebensstil neu ordnen will. Dabei waren für mich im Jahr 2025 zwei Themen besonders präsent: Veränderung und Loslassen. Und da wir noch 2025 haben und die Rauhnächte morgen beginnen, ist dieser Zeitpunkt – für alle, die es mögen – geradezu perfekt, um sich noch einmal mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Was von dem, was mich bisher genährt hat, darf ich loslassen, weil es das nicht mehr tut? Was von dem, was in meinen Vorstellungen, Sehnsüchten und Visionen immer wieder auftaucht, will ich wahrhaftig leben? Und was darf viellicht einfach ein sehnsüchtiger Gedanke bleiben, ohne eine konkrete Lebensveränderung werden zu müssen? Das Thema, das ich für 2026 gewählt habe – für meine Kunst und für meine neu startende wöchentliche Kolumne – heißt Zuhause ankommen . Das Thema wird mich nicht nur in der Kolumne begleiten, sondern auch in Bildern, in anderen kreativen Prozessen und wahrscheinlich auch in einem Buchprojekt. Da ich – wie alle anderen auch – ständig Veränderungen ausgesetzt bin und meine Routinen und Pläne öfter durcheinander geraten, als mir lieb ist, interessieren mich dabei vor allem die Fragen: Wie kann ich wie ein Baum im Wind stehen – verwurzelt, beweglich, stark in mir verankert – und dabei meine Vorhaben umsetzen? Und mit welchem Baum fühle ich mich viellicht innerlich verbunden? Resilienz spielt hier eine große Rolle – für mich persönlich sind das vor allem Ressourcen wie: mich wohlzufühlen, meine Werte zu kennen, mich sicher zu fühlen, meiner Intuition zu folgen und meine Emotionalität sowie Sinnlichkeit zu leben – in mir, in meinem Körper, in meinen Beziehungen, in meinem Zuhause und in meinem Umfeld. Und auch in meinem spirituellen Angebundensein.
von Sabine Kraus 14. Dezember 2025
Rückblick 2025 – Langsamkeit, Pausen und Neuausrichtung Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, Weihnachten steht bald vor der Tür – und ich habe die letzten Tage intensiv genutzt, um mich noch einmal mit meinem Jahr 2025 zu verbinden. Das Jahr 2025 war für mich ein Jahr der Reflexion und Neuausrichtung – kein Jahr der schnellen Fortschritte, sondern eines, das mir Raum gab, innezuhalten und genau hinzuspüren. Themen wie Sinnlosigkeit, Erschöpfung und körperliche Grenzen spielten eine zentrale Rolle und führten mich dazu, mein Leben aus einer neuen Perspektive zu betrachten.